Die „Balljünger“ kamen nicht zum Tanze, denn der Ball fiel aus. Die großartig angekündigte Festwoche um den Gründungstag der Alma mater Lipsiensis reduzierte sich auf ein Maß, das womöglich mancher im Nachhinein als unangemessen deklarierte. Wo blieb das güldene Lametta, das die Feierlichkeiten zwischen dem 2. und 6. Dezember verklären sollte? Wo blieb der ehrfürchtige Hauch 600-jähriger Geschichte, der die Festtage mit Glanz und Gloria einzuhüllen hatte?
Deutschlands zweitälteste Universität tat sich zu guter Letzt den Gefallen, auf ein Übermaß des Feierns zu verzichten. Der Festakt im Paulinum geriet somit zum einzigen Höhepunkt am Ende der Jubelfeier. Und das war auch gut so. Wer hätte wohl an den Folgetagen noch das Tanzbein schwingen wollen, angesichts der mahnenden Worte des Bundespräsidenten? Von zu langen Studienzeiten, zu vielen Abbrechern, zu schlechten Studienbedingungen, zu wenig Unterstützungsangeboten und zu wenig Chancengerechtigkeit war die Rede – und von der größten Baustelle im deutschen Hochschulwesen mit Namen „Bologna“. Da ist Nachdenklichkeit eher geboten als Festtagsstimmung.
Gleichwohl: Spätestens am 2. Dezember war wohl allen Gästen im Paulinum – Politikern, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftlern und Studierenden die Erkenntnis zu eigen geworden, dass auf vielen Ebenen mehr für das Hochschulwesen in Deutschland getan werden muss, die Universität Leipzig eingeschlossen.
„Zu feiern gibt es nichts“ lautete bereits zur Eröffnungsveranstaltung am 9. Mai der Schlachtruf einer Gruppe Studierender. Das konnte so nicht stehen bleiben. Die Leipziger Universität hat nach 600-jähriger Geschichte sehr wohl das Recht, ihre Tradition gebührend zu feiern. Sie zählte über Jahrhunderte hinweg zu den führenden Hochschulen Europas und hat bewusst im Jahr ihres Geburtstages Kurs aufgenommen, sich wieder der Wissenschaftselite anzunähern. Dazu scheint es allerdings geboten, die eigene Lage realistisch zu reflektieren. Zu diesem Zweck gehören Politik, Wissenschaftler und Studierende an einen Tisch.
Trotz allem: Das Jahr 2009 hat auch gezeigt, mit wie viel Engagement Mitarbeiter und Studierende es verstanden haben, wissenschaftliche und kulturelle Akzente zu setzen. Dafür stehen neben den Leitkongressen und den unzähligen wissenschaftlichen Tagungen Veranstaltungen wie der campus 2009, der Lauf von Prag nach Leipzig, „600 Bäume zum 600. Jubiläum der Universität“, die Jubiläumsausstellung und schließlich der deutlich auf Nachhaltigkeit orientierte Festakt im Paulinum.
In diesem Sinne wünschen wir der Alma mater Lipsiensis nochmals mit Nachdruck ein „Vivat, crescat, floreat!“
Christina Barofke und Dr. Günter Roski
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